Seine Stärken erkennen

Seine Stärken erkennen

Kompetenzen zeigen sich oftmals im Alltag. Wer außerdem das Feedback von Familie und Freunden einholt, bekommt ein realistisches Bild von den eigenen Fähigkeiten.

Viele Jugendliche wissen, was ihnen Spaß macht. Schwieriger ist oft die Frage: Was kann ich eigentlich richtig gut? Dabei müssen Stärken nichts Außergewöhnliches sein. Oft zeigen sie sich im Alltag, zum Beispiel wenn jemand Verantwortung übernimmt, zuverlässig ist oder Probleme löst. Wer seine Fähigkeiten kennt, kann sie später in der Bewerbung und im Vorstellungsgespräch überzeugend zeigen.

Die eigenen Stärken zu erkennen, beginnt oft mit einem ehrlichen Blick auf den normalen Tagesablauf. Welche Aufgaben fallen leicht? Wann macht etwas besonders viel Spaß? Und worauf ist man hinterher stolz? Coachin Katrin Seifarth, Gründerin von Perflowance, beschäftigt sich seit Jahren mit dem erfolgreichen Start junger Menschen in Studium und Beruf. Ihre Erfahrungen hat sie im „Erstsemester-Survival-Guide“ gebündelt. Obwohl sich das Buch an Studienanfänger richtet, lassen sich viele der Tipps auch auf den Ausbildungsstart übertragen.

den Ausbildungsstart übertragen. Für das Erkennen von Stärken empfiehlt die Autorin zwei einfache Fragen: „Welche drei Dinge mache ich gut?“ und „Welche eine Sache könnte ich besser machen?“. So geraten nicht nur Schwächen in den Blick, sondern vor allem die positiven Eigenschaften. Hilfreich kann auch ein kleines Journal sein. Wer sich am Abend kurz notiert, was gut gelungen ist und welchen Anteil er selbst daran hatte, erkennt mit der Zeit Muster. Vielleicht fällt auf, dass man häufig Gruppen organisiert, Streit schlichtet oder auch in stressigen Situationen den Überblick behält.

Wie andere Personen mich sehen

Neben der Selbsteinschätzung spielt die Fremdwahrnehmung eine wichtige Rolle. Deshalb lohnt es sich, Eltern, Freunde, Lehrkräfte, Trainer oder Praktikumsbetreuer nach ihrer Einschätzung zu fragen. Sie erleben Jugendliche in ganz unterschiedlichen Situationen und erkennen häufig Qualitäten, die ihnen selbst gar nicht bewusst sind. „Ich empfehle jungen Menschen immer, sich aktiv Feedback einzuholen“, sagt Katrin Seifarth. Nicht jede Rückmeldung entspricht der eigenen Wahrnehmung und genau das kann hilfreich sein. „Fallen Selbst- und Fremdbild auseinander, sollte man nach konkreten Beispielen fragen, um die Diskrepanz zu verstehen.“ Wann ist jemandem aufgefallen,dass ich etwas gut gemacht habe? Welche Situationen sind in Erinnerung geblieben? Solche Rückmeldungen helfen dabei, die eigenen Stärken besser einzuordnen, und liefern oft Hinweise auf Fähigkeiten, die sich später auch in einer Bewerbung nutzen lassen.

„Bei Kritik sollte ich kurz reflektieren, aus welcher Perspektive das Feedback kommt“, ergänzt die Expertin. „Erhalte ich wiederholt ähnliches kritisches Feedback, sollte ich auch darüber nachdenken, welche meiner Verhaltensweisen diese Wirkung erzeugt und wie ich diese ändern kann, ohne mich zu verbiegen.“ Kleine Veränderungen können viel bewirken, denn eine abgestellte Schwäche kann eine neue Stärke von morgen werden.

Worauf es wirklich ankommt

Viele Jugendliche denken bei Stärken zuerst an gute Noten oder besondere Talente. Im Ausbildungsalltag sind oftmals ganz andere Eigenschaften gefragt. „Die wichtigsten Kompetenzen sind für die meisten Unternehmen Verlässlichkeit, Proaktivität und das Denken in Lösungen statt in Problemen“, weiß Katrin Seifarth. Wer pünktlich ist, Aufgaben zuverlässig erledigt und Verantwortung übernimmt, sammelt Pluspunkte. Ebenso gefragt sind Eigeninitiative und die Bereitschaft, Probleme nicht nur anzusprechen, sondern auch Lösungsvorschläge einzubringen. Solche Qualitäten zeigen sich oft schon lange vor der Ausbildung, beispielsweise im Sportverein, im Ehrenamt, bei einem Nebenjob oder im Familienalltag. Genau diese Erfahrungen vermitteln Betrieben ein realistisches Bild davon, wie jemand arbeitet und Verantwortung übernimmt.

Die eigenen Kompetenzen zu kennen, ist der erste Schritt. Sie auch zu zeigen, der zweite. Allgemeine Aussagen wie „Ich bin teamfähig“ oder „Ich bin zuverlässig“ sind austauschbar. Überzeugender sind konkrete Beispiele: Wer erzählt, wie er im Verein etwas organisiert, im Nebenjob Verantwortung übernommen oder im Praktikum selbstständig eine Aufgabe gelöst hat, macht seine Fähigkeiten greifbar. Wer seine Stärken kennt, offen mit Entwicklungsmöglichkeiten umgeht und Erfahrungen mit konkreten Beispielen belegt, hinterlässt einen glaubwürdigen Eindruck und verschafft sich gute Chancen auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben. 

Brigitte Bonder