Wer sich frühzeitig mit der Berufswahl beschäftigt, kann sich später voll und ganz auf seine Abschlussklausuren konzentrieren. Wie man ohne Stress den Ausbildungsplatz in der Tasche haben kann.
Zwei Jahre vor dem Schulabschluss schon an die Ausbildung denken? Viel zu früh! Wer das denkt, macht einen Fehler. Denn: Zu diesem Zeitpunkt geht es noch gar nicht unbedingt darum, schon genau zu wissen, was man werden möchte, sondern um die Schulnoten. Start der Ausbildung ist in der Regel der 1. August oder der 1. September eines jeden Jahres. Das bedeutet: Für einen Ausbildungsplatz bewirbt man sich nicht mit dem Abschlusszeugnis, sondern mit dem Zeugnis aus dem Jahr davor. Auf diese Noten kommt es also an. Und wer Unternehmen mit einem guten Durchschnitt überzeugen möchte, muss spätestens zum Halbjahr des vorletzten Schuljahres Gas geben.
Jetzt geht es außerdem darum, herauszufinden, was zu einem passt. Zeit für einen Berufsorientierungstest, für die Teilnahme am „Girls & Boys‘ Day“ und für einen Schnuppertag in einem Unternehmen. Bei Besuchen von Ausbildungsmessen erfährt man auch oft, was in eine Bewerbung gehört, und es gibt weitere Tipps zur Berufsorientierung. In den Sommerferien gibt es außerdem Angebote wie Schnuppertage an Universitäten, MINT-Camps oder Summerschools, bei denen junge Menschen ihre Interessen erkunden und ausbauen können, empfiehlt die Bundesagentur für Arbeit.
18 Monate vor dem Schulabschluss
Rund eineinhalb bis ein Jahr vor dem Ende der Schullaufbahn wird es konkreter: Zu diesem Zeitpunkt sollte man ein Berufsfeld im Blick haben und ein Praktikum machen, um seine Entscheidung abzusichern. Die Betriebe können über ein Praktikum außerdem direkt sehen, ob jemand engagiert ist und ins Team passt – oft haben überzeugende Praktikanten einen Vorteil bei der Lehrstellenvergabe. Wer ohnehin gerade nach Firmen sucht, kann parallel eine Liste mit möglichen Ausbildungsbetrieben machen. Falls das Wunschunternehmen keine Stelle frei hat, gibt es so direkt Alternativen.
Wichtig zu wissen: Je nach Unternehmen und Branche gibt es unterschiedliche Bewerbungszeiträume, betont die Bundesagentur für Arbeit. Banken, Versicherungen, die öffentliche Verwaltung und große Konzerne beginnen mit der Bewerberauswahl früh, denn die Auswahlverfahren sind teilweise mehrstufig. Auch wer ein duales Studium, eine Kombination aus Bachelor-Abschluss und Lehrstelle, anstrebt, muss auf Fristen besonders achten. Bei kleineren Betrieben stehen laut Industrie- und Handelskammern (IHK) und den Handwerkskammern die Chancen oft auch bei kurzfristigen Bewerbungen gut. Mit dem Zeugnis der vorletzten Klasse sollte dann auch der Berufswunsch feststehen und die konkrete Suche nach der Lehrstelle beginnen.
Das letzte Schuljahr
Wenn es noch ein Jahr bis neun Monate bis zum Abschluss sind, ist es an der Zeit, Bewerbungen zu schreiben, rät die Bundesagentur für Arbeit. Digitale Bewerbungen sind heute Standard. Dass künstliche Intelligenz (KI) hilft, zu formulieren, ist in Ordnung. Aber: Die vorformulierte Bewerbung muss komplett individualisiert werden: auf die eigenen Stärken, auf die eigene Motivation, auf das konkrete Unternehmen. Bewerber müssen darauf achten, alle Dokumente als ein PDF zu verschicken – Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnis.
Auf die folgenden Bewerbungsgespräche sollte man sich vorbereiten, indem man diese mit Familie oder Freunden übt und sich Antworten auf die gängigsten Fragen überlegt: Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden? Warum wollen Sie genau bei uns arbeiten? Was sind Ihre Stärken?
Noch ein halbes Jahr
Wenn es auch in den letzten sechs Monaten noch nicht klappt mit einem Ausbildungsplatz, kann man sich bei der IHK oder Handwerkskammer vor Ort individuell beraten lassen, auch die Agentur für Arbeit kann helfen. Es gibt meist spezielle Events, etwa ein Speeddating für Betriebe und Azubis, die noch zusammenfinden wollen. Außerdem werden schon vergebene Ausbildungsplätze auch mal wieder frei, weil Bewerber sich kurzfristig umentscheiden. Wer sich aber frühzeitig mit der Berufsorientierung und den Bewerbungen beschäftigt hat, muss sich hierüber keine Gedanken mehr machen.
Isabelle De Bortoli


