Der Realitäts-Check: Praktikum richtig nutzen

Der Realitäts-Check: Praktikum richtig nutzen

Mitmachen, Fragen stellen, Verantwortung übernehmen – wer sein Praktikum aktiv angeht, kann wertvolle Erfahrungen sammeln.

Ein Praktikum bietet oft den ersten Einblick in die Arbeitswelt. Viele Jugendliche erleben dabei vor allem eines: mitlaufen, zuschauen und vielleicht ein bisschen helfen. Dabei kann ein Praktikum deutlich mehr sein und dabei helfen, herauszufinden, ob ein Beruf wirklich passt. Wer die Zeit aktiv nutzt, nimmt deshalb mehr mit als nur einen Eintrag im Lebenslauf. Diese fünf Punkte helfen dabei:

1. Selbst aktiv werden – schon vor dem ersten Tag

Wer sich selbst um einen Platz kümmert, beim Unternehmen anruft, sich vorstellt und einen kurzen Lebenslauf bereithält, zeigt Interesse und Mut. „Wenn Jugendliche sich eigeninitiativ um ein Praktikum bemühen und sich trauen, einfach mal nachzufragen, macht das den besten Eindruck“, erklärt Ann-Kathrin Lauf, Abteilungsleiterin Ausbildungsberatung und -förderung bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Eltern können zwar unterstützen, telefonieren sollten aber möglichst die Jugendlichen selbst. Das zeigt Selbstständigkeit und macht deutlich: Hier möchte jemand aus eigenem Antrieb herausfinden, ob der Beruf zu ihm passt. Auch wenn eine Bewerbung zunächst Überwindung kostet, ist genau das Teil der Berufsorientierung.

2. Guter Start: grüßen, zuhören, Smartphone weg

Der erste Tag entscheidet nicht selten, wie das Praktikum verläuft. Freundlich grüßen, sich kurz vorstellen und aufmerksam zuhören – viel mehr braucht es für einen guten Einstieg nicht. Ebenso wichtig: Das Telefon bleibt in der Tasche. „Ständige Blicke auf das Smartphone oder das heimliche Verschwinden mit dem Handy fallen in Betrieben sehr schnell negativ auf“, erklärt Holger Weber, Trainer für Ausbildungsthemen aus Sulzbach. Wer stattdessen aufmerksam bei der Sache ist, signalisiert Respekt und Interesse. Dazu gehört auch, Pausenzeiten einzuhalten und sich zum Feierabend zu verabschieden, statt einfach zu gehen.

3. Mitmachen statt zuschauen

Viele Jugendliche gehen mit der Vorstellung ins Praktikum, dass sie ohnehin nur beobachten dürfen. Doch gerade wer neugierig ist und sich einbringen möchte, kann mehr lernen. Deshalb lohnt sich das Nachfragen: Kann ich bei dieser Aufgabe helfen? Darf ich das einmal selbst ausprobieren? Ob kleine Handgriffe, das Sortieren von Materialien oder das Begleiten einer Kollegin: Auch einfache Tätigkeiten vermitteln einen Eindruck davon, wie der Arbeitsalltag tatsächlich aussieht. Wer sich etwas zutraut, lernt schneller und bekommt zugleich ein realistischeres Bild vom Beruf. Denn ein Praktikum hilft nur dann bei der Berufsorientierung, wenn Jugendliche wirklich in den Arbeitsalltag eintauchen.

4. Gute Kommunikation macht den Unterschied

Im Arbeitsalltag kommt es nicht nur darauf an, was jemand tut, sondern auch darauf, wie er mit anderen umgeht. „Interesse wird vor allem dadurch sichtbar, dass jemand nachfragt, Dinge ausprobieren möchte und nicht nur passiv danebensteht oder -sitzt“, erklärt Holger Weber. Wer etwas nicht verstanden hat, sollte lieber einmal zu viel als zu wenig fragen. Das verhindert Fehler und zeigt, dass die Aufgabe ernst genommen wird. Ebenso wichtig sind kurze Rückmeldungen: Ist eine Aufgabe erledigt, sollte man Bescheid geben. Gibt es ein Problem, sollte man es ansprechen.

5. Verantwortung übernehmen – Schritt für Schritt

Verantwortung bedeutet nicht, am ersten Tag alles zu können. Es geht vielmehr darum, Aufgaben ernst zu nehmen, Absprachen einzuhalten und bei Schwierigkeiten nicht sofort aufzugeben.„Positiv fällt auf, wenn jemand nicht nur sagt: „Ich komme nicht weiter“, sondern bereits eigene Überlegungen mitbringt“, betont Holger Weber. Genau darin liegt eine wichtige Erfahrung, denn nicht jede Aufgabe gelingt sofort. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wer zunächst selbst überlegt, einen Lösungsweg ausprobiert und dann gezielt nachfragt, zeigt Eigeninitiative. Auch freiwillige Hilfe kann einen guten Eindruck hinterlassen, beispielsweise bei einer Aktion, einem Projekt oder einer Messe, wenn Unterstützung gebraucht wird.

Ein Praktikum ist also ein echter Realitäts-Check. Jugendliche können herausfinden, ob ein Beruf tatsächlich zu ihren Vorstellungen passt. Gleichzeitig bekommen Betriebe einen Eindruck davon, wie jemand an Aufgaben herangeht, mit anderen kommuniziert und Verantwortung übernimmt. Wer neugierig bleibt, Fragen stellt und sich auf neue Erfahrungen einlässt, kann deshalb aus einem Praktikum wichtige Erkenntnisse für die eigene berufliche Zukunft mitnehmen.

Von Brigitte Bonder