Im Vorstellungsgespräch clever reagieren

Im Vorstellungsgespräch clever reagieren

„Erzählen Sie doch mal von sich“: Wer gut vorbereitet in ein Bewerbungsgespräch geht, wird nur selten überrascht. Eine Expertin verrät, worauf es ankommt, und nennt typische Fragen – und wie man darauf antwortet.

 

Ein bisschen Aufregung gehört dazu. Klar. Das weiß auch Tanja Herrmann-Hurtzig. Sie saß viele Jahre selbst auf der Arbeitgeberseite und berät heute Führungskräfte. „Aber ein Vorstellungsgespräch ist kein Wissensquiz“, sagt sie. Stattdessen sollte das Gespräch den Bewerbern Gelegenheit geben, von sich zu erzählen. „Ein Vorstellungsgespräch sollte auf Augenhöhe stattfinden“, sagt die Karrierecoachin. Und das gilt auch schon für Auszubildende. Um die Aufregung in Schach zu halten, empfiehlt sie eine gute Vorbereitung. Diese sechs Punkte gehören zu den Klassikern im Vorstellungsgespräch.

1. Nehmen Sie mich mit in Ihren Lebenslauf!


Jetzt ergibt es keinen Sinn, den ganzen Lebenslauf nachzuerzählen. „Den haben die Ausbilder hoffentlich ja schon gelesen“, sagt Tanja Herrmann-Hurtzig. Stattdessen empfiehlt sie, prägende Stationen und Erfahrungen der Vergangenheit herauszupicken. Ein Praktikum, ein Ehrenamt, ein Job: „Das ist die Gelegenheit, auf Stärken hinzuweisen, die ich auch bei der neuen Aufgabe einsetzen kann.“ Ein Beispiel: Wer schon mal gekellnert hat, kann jetzt genau diese Station in seinem Leben aufnehmen. Zugewandt, freundlich und dienstleistungsbereit sehen Betriebe auch gerne ihre Auszubildenden.

2. Was halten Sie für Ihre Stärken und Schwächen?


Hier nicht Ungeduld oder Schokolade als mögliche Schwäche nennen, rät Tanja Herrmann-Hurtzig. Stattdessen ist es die richtige Gelegenheit, um zu zeigen: Ich bin reflektiert und kenne meine Lernfelder. Ich habe Fehler der Vergangenheit erkannt und daran gearbeitet. „Es ist gut, wenn Bewerber an dieser Stelle erzählen, wo sie sich mal selbst im Weg standen und was sie daraus mitgenommen haben“, sagt die Coachin. Dabei darf man auch so konkret wie möglich werden. Beispiele sind erlaubt und erwünscht.

3. Wie gehen Sie mit Fehlern um?


Das ist der Moment, in dem ein Bewerber Verantwortungsbewusstsein zeigen kann. „Wer einem Ausbilder jetzt deutlich macht, dass er selbstkritisch ist und bereit, aus Fehlern zu lernen, der hat die Frage richtig genutzt“, sagt Tanja Herrmann-Hurtzig. Auch hier gilt: Gerne aus der Vergangenheit erzählen. Und wer dafür genug Mut aufbringt, kann auch gleich eine Gegenfrage anschließen: „Wie sieht bei Ihnen im Betrieb die Fehlerkultur aus?“ Das gebe natürlich nicht jede Situation und jeder Gesprächspartner her: „Aber wenn die Gesprächsatmosphäre es zulässt, haben solche Fragen auch eine Aussagekraft“, weiß die Fachfrau.

4. Warum haben Sie sich bei uns beworben?

Wer sich gut vorbereitet hat, kann jetzt sein Wissen über das Unternehmen einfließen lassen. „Bewerberinnen und Bewerber haben nun auch die Gelegenheit zu erzählen, was ihnen wirklich Spaß macht“, sagt Tanja Herrmann-Hurtzig. Beispiele sind wieder willkommen. Vom Tüfteln in der Garage über die Lust am Programmieren bis hin zum Ehrenamt im Fußballverein: Häufig lassen sich Parallelen ziehen. 

5. Was sagen Ihre Freunde über Sie?

Am leichtesten haben es diejenigen, die ihre Freunde vorher gefragt haben. Das empfiehlt Tanja Herrmann-Hurtzig ohnehin jedem vor einem Vorstellungsgespräch: „Wer vorher mit Freunden über Eigenschaften und verschiedene Perspektiven ins Gespräch kommt, geht häufig sicherer in den Termin.“ Auf ihrer Internetseite hat sie Fragelisten vorbereitet, die künftige Bewerber dafür nutzen können. 

6. Wenn Sie ein Haustier wären…

Personaler testen gerne auch mal die spontane Reaktion von Bewerbern – und greifen auf ungewöhnlichere Fragen zurück. Wenn Sie ein Cocktail, ein Straßenschild oder ein Haustier wären: Was wären Sie dann? „Nur nicht in Stress geraten“, empfiehlt Tanja Herrmann-Hurtzig. Die Karrierecoachin macht Mut zur originellen Antwort: „Welchen Zoo haben Sie schon? Und was brauchen Sie noch?“ Auch junge Menschen auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle brauchen sich hier nicht zu verstecken.

Außerdem immer wichtig: „Pünktlich sein, lieber overdressed als underdressed und vorher natürlich auf die Internetseite des Unternehmens schauen“, sagt die Expertin. Dort findet man vielleicht auch Infos oder ein Foto des möglichen Gesprächspartners. Dann kann man eigentlich ohne Angst oder Lampenfieber zum Vorstellungstermin gehen.

Theresa Demski