Die Bewerbung: Darauf kommt’s an

Die Bewerbung: Darauf kommt’s an

Sie vermittelt den ersten Eindruck, den ein Unternehmen von einem bekommt. Und entscheidet schon darüber, ob man dort überhaupt eine Chance auf einen Ausbildungsplatz hat.

Zu einer Bewerbung gehören ein Anschreiben und ein Lebenslauf. Das reicht heutzutage in der Regel digital. Doch viele Jugendliche unterschätzen, wie wichtig ein klarer Aufbau (insbesondere bei KI-gestützten Auswahlverfahren), eine überzeugende Motivation und professionelles Auftreten darin sind. Sechs Tipps, worauf es ankommt:

1. Der erste Eindruck


Bevor Personalverantwortliche Inhalte lesen, prüfen sie, ob die Unterlagen vollständig und übersichtlich sind. Ein gut strukturierter Lebenslauf, korrekt benannte Dateien und ein ordentliches Layout signalisieren Sorgfalt und Interesse. „Unternehmen achten zuerst auf Klarheit, Struktur und Passung“, erklärt Stella Welzel, Fachbereichsleitung „Jugend – Schule – Übergang Beruf“ bei der Deutsche Angestellten-Akademie (DAA). Gerade bei Jugendlichen stehen weniger perfekte Noten im Vordergrund als Motivation, Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft. Entscheidend ist, ob erkennbar wird, dass sich jemand mit dem Beruf und dem Unternehmen beschäftigt hat.

2. Das Anschreiben: persönlich, konkret, ehrlich


Ein Anschreiben muss nicht besonders beeindruckend klingen, es soll nachvollziehbar erklären, warum der gewählte Beruf und der Betrieb interessant sind. Allgemeine Formulierungen wirken austauschbar, konkrete Beispiele dagegen authentisch. „Ein gutes Anschreiben überzeugt nicht durch große Worte, sondern durch Echtheit“, sagt Welzel. Hilfreich sind daher Hinweise auf Erfahrungen aus Praktika, Schulprojekten oder ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sie zeigen, dass erste Einblicke vorhanden sind und ein echtes Interesse besteht.

3. Professionell wirken – online wie offline


Die meisten Bewerbungen laufen heute digital. Dazu gehören eine seriöse E-Mail-Adresse, gut lesbare Unterlagen und korrekt benannte Dateien. Viele Unternehmen schauen auch in Social-Media-Profile. „Es lohnt sich, private Profile zu prüfen und keine beleidigenden, extremen oder peinlichen Inhalte öffentlich zu zeigen“, rät Stella Welzel. Ein professioneller digitaler Eindruck unterstützt die Bewerbung, auch berufliche Netzwerke wie Linkedin können hilfreich sein. Wichtig ist, dass der digitale Eindruck nicht im Widerspruch zur Bewerbung steht.

4. Typische Fehler vermeiden

Rechtschreibfehler, falsche Firmennamen oder unvollständige Unterlagen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Bewerbungen aussortiert werden. Auch Standardtexte und „Copy und Paste“ sind leicht zu erkennen. „Letztlich lesen Menschen die Bewerbung, die Massenbewerbungen recht leicht erkennen können“, sagt Judith Strücker, Berufswahlexpertin bei der Einstieg GmbH in Köln. Personalverantwortliche freuen sich, wenn sie den Eindruck haben, der Inhalt ist auf sie ausgerichtet. „Jugendliche sollten sich daher unbedingt die Mühe machen, individuell auf das Unternehmen einzugehen und zu erklären, warum sie sich für genau dieses Unternehmen begeistern.“ Ein weiterer Fehler liegt im Verstecken von Unsicherheiten. „Man sollte keine Angst vor Lücken oder Unsicherheiten haben, denn Ehrlichkeit wirkt immer besser als Ausreden“, rät Stella Welzel von der DAA. „Wer offen erklärt, warum etwas im Lebenslauf anders gelaufen ist, wirkt reifer und glaubwürdiger.“

5. Praktische Erfahrung hervorheben


Praktika, Nebenjobs oder ehrenamtliches Engagement sind für viele Arbeitgeber ein wichtiger Hinweis auf Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit. Auch Tätigkeiten wie Babysitten, Nachhilfe oder Vereinsarbeit gehören in den Lebenslauf, weil sie soziale Kompetenzen sichtbar machen.

Alles, was zum Ausbildungsberuf passt, sollte in den Vordergrund gestellt werden und zeigen, dass Bewerber und Unternehmen zueinander passen. „Selbstverständlich sind die Schulnoten nicht völlig egal“, betont Judith Strücker. „Wer Tischler werden möchte, sollte nicht auf Kriegsfuß mit Mathe stehen.“ Wichtig ist, dass das Gesamtbild stimmig ist und die Stärken zur Ausbildung passen.

6. Selbstbewusst auftreten – ohne Perfektionismus


Viele Jugendliche trauen sich weniger zu, als sie eigentlich können. „Eine überzeugende Bewerbung muss nicht perfekt sein – sie muss ehrlich, passend und gut vorbereitet sein“, sagt Stella Welzel. Wer Engagement zeigt, sorgfältig arbeitet und Bereitschaft zum Lernen signalisiert, hat sehr gute Chancen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch – und zwar unabhängig davon, ob der Lebenslauf geradlinig ist oder nicht.

Brigitte Bonder