Wenn’s mit der ersten Wahl nicht klappt

Wenn’s mit der ersten Wahl nicht klappt

Wer sich um eine Ausbildung kümmert, sollte immer Alternativen im Hinterkopf haben. Am Ende muss das keine Notlösung sein, sondern kann sich als perfektes „Match“ erweisen.

 

Kraftfahrzeugmechatroniker, Kaufleute für Büromanagement oder im Einzelhandel – das sind die Top 3 der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland, laut Statistischem Bundesamt. Heißt aber auch: Wer sich auf diese Berufe bewerben möchte, muss mit Absagen rechnen, weil es womöglich zu viele Bewerbungen auf eine Stelle gibt. Hinzu kommt: In manchen Regionen gibt es laut Agentur für Arbeit erstmals seit vielen Jahren mehr Jugendliche, die eine Ausbildungsstelle suchen, als angebotene Ausbildungsplätze. Gleichzeitig konzentriert sich die Bewerbernachfrage oft auf wenige Berufe (zum Beispiel Kaufleute, Medienberufe), sodass es weiterhin Berufe gibt mit einem Mangel an Bewerbern, etwa im Handwerk oder in der Systemgastronomie, weiß die Unternehmerschaft Düsseldorf. „Es macht also für jeden, der eine Lehrstelle sucht, Sinn, sich mit Alternativen zu beschäftigen“, sagt die selbstständige Berufsberaterin Karin Wilcke. 

Schließlich gebe es viele Berufe, in denen man glücklich werden könne, so die Expertin. „Die Ausbildung ist ein erster Schritt ins Berufsleben. Sie sagt allein nichts darüber aus, wie es anschließend für mich weitergeht. Dementsprechend sollte man offen für Alternativen sein.“ Konkret bedeutet das: Wer sich etwa für eine Ausbildung als Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement bewirbt, hat sich einen der beliebtesten Ausbildungsberufe überhaupt ausgesucht. „Die Fähigkeiten, die ich in den kaufmännischen Lehren erwerbe, sind aber sehr ähnlich“, sagt Wilcke. „Die naheliegenden Alternativen sind die kaufmännischen Ausbildungen im Bereich Industrie oder Groß- und Außenhandel. Dort ist die Konkurrenz nicht so groß und ich erhöhe meine Chancen.“ 

Am Ende der Ausbildung käme es auf die erworbenen Fähigkeiten an, auf die Schwerpunkte, die man dann setze. „Nach der Ausbildung kann ich mich dann auf den Bereich konzentrieren, der mir am meisten Spaß gemacht hat. Und selbstverständlich kann ich mit einer abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung dann auch in jedem dazugehörigen Berufsfeld arbeiten“, weiß die Berufsberaterin. 

Gemeinsamkeiten erkennen

Stichwort Berufsfeld: Das sollte man sich bei der Suche nach Alternativen zur Traumstelle genauer ansehen – etwa beim Berufswahltest der Agentur für Arbeit oder bei einer Beratung. Wer beispielsweise handwerklich begabt ist und gerne mit Holz arbeitet, könne als Alternative zur derzeit angesagten Tischler-Lehre auch die Ausbildung zum Zimmerer oder Holzmechaniker in Betracht ziehen. Kommunikative Menschen sind nicht nur im Verkauf, sondern vielleicht auch für eine Arztpraxis ein Gewinn. Und wen es in technische Berufe zieht, der sollte laut Karin Wilcke die Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Betracht ziehen. „Da geht es doch längst nicht mehr um verstopfte Klos, sondern um hoch technische Dinge wie Klimaanlagen oder Wärmepumpen. Man sollte sich nicht nur von Äußerlichkeiten leiten lassen.“ 

Das gilt auch im Hinblick auf die Wahl des Ausbildungsbetriebs: Die Bewerbung beim bekannten Großkonzern hat nicht geklappt? „Es gibt hochinteressante Firmen, die aber keinen großen Namen haben“, sagt Karin Wilcke, und spielt damit auch auf die sogenannten „Hidden Champions“ an. Das sind relativ unbekannte mittelständische Unternehmen, die in speziellen Nischenmärkten weltweit oder in Europa Marktführer sind, oft inhabergeführt und nicht börsennotiert. 

Ausbildungsabbruch: Ja, aber …

Manchmal kommt es auch vor, dass man schon eine Ausbildung angefangen hat, und dann merkt, dass es nicht passt. Gibt es auch dann noch eine zweite Chance? „Unbedingt!“, sagt Karin Wilcke. „Dafür muss ich aber zunächst analysieren, warum es nicht passt. Ist es die Tätigkeit? Oder ist es der Betrieb?“ Gefalle einem der Beruf, helfen die Kammern, den Ausbildungsbetrieb zu wechseln. „Ist es der Beruf, der nicht passt, kann ich vielleicht auf meinen Plan B wechseln. Auch da sollte man sich beraten lassen. Viele Betriebe haben auch noch mitten im Jahr freie Lehrstellen. Definitiv sollte ich nicht in einem Beruf bleiben, der nicht zu mir passt, nur damit es im Lebenslauf nicht schlecht aussieht“, betont die Expertin. 

Isabelle De Bortoli