Alle sprechen vom Wandel. Gerade durch künstliche Intelligenz treibt viele die Frage um, welche Berufe es in einigen Jahren noch geben wird. Aber wer Experten fragt, der erfährt: Am Ende kommt es auf einen selbst an.
Es gibt mehr als 130 Ausbildungsberufe, die junge Menschen erlernen können. „Wir verfügen in Deutschland über eines der breitesten und leistungsfähigsten Ausbildungssysteme weltweit, um das uns viele andere Länder beneiden“, sagt Jürgen Holtkamp, Bereichsleiter Ausbildungsberatung, Stellenvermittlung und Projekte der IHK Düsseldorf. Er ist fest überzeugt von dem dualen System. Das bleibe „das Rückgrat der Fachkräftesicherung“. Wichtig dafür: die kontinuierliche Modernisierung der Ausbildungsberufe. Aber: „Wir gehen nicht davon aus, dass Ausbildungsberufe sang- und klanglos verschwinden“, sagt Birgitta Kubsch-von Harten, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Düsseldorf.
Vom Aussterben einzelner Berufe spricht weder die IHK noch die Agentur für Arbeit. Stattdessen werden die Ausbildungsinhalte an den technologischen Fortschritt angepasst und modernisiert. Birgitta Kubsch-von Harten ist sich sicher: „Die Berufe werden sich stark verändern.“ Standardisierbare Routineaufgaben wie Datenerfassung und einfache Fertigungsschritte werden künftig immer seltener durch Menschen erledigt. Das merken auch Berufseinsteiger: „Viele Tätigkeiten, gerade in kaufmännischen Berufen, in denen Berufsanfänger üben konnten, werden mittlerweile automatisiert“, sagt Kubsch-von Harten. Gleichzeitig kann künstliche Intelligenz (KI) aber auch fehlende Erfahrung ausgleichen. Wie immer gibt es zwei Seiten einer Medaille. Auch bei der IHK überwiegt der Optimismus: Wo die KI Aufgaben übernimmt, entstehe Raum für neue, anspruchsvollere Aufgaben, heißt es dort. Besonders in Büro, Verwaltung, Service und Vertrieb gewinnen Beratung, Prozesssteuerung und Qualitätssicherung an Bedeutung. Für Unternehmen und für Beschäftigte heißt das: Weiterentwicklung eröffnet neue Chancen.
Berufe mit sicherer Zukunft
Demografie, Energiewende und Digitalisierung: Das sind laut IHK die Mega-Trends. Also wächst genau dort auch der Bedarf. Besonders gefragt sind praktische, verantwortungsvolle Tätigkeiten mit komplexen Abläufen und Problemlösungskompetenz. Die Agentur für Arbeit sagt: Eine Ausbildung im Handwerk ist nach wie vor eine gute Empfehlung. Auch Berufe in der Kinder-, Alten- und Krankenpflege sind zukunftssichere Optionen mit hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten.
„Neue und modernisierte Berufsbilder entstehen dort, wo Unternehmen konkrete Qualifikationen benötigen“, heißt es bei der IHK. Beispiel IT-Berufe: Seit ihrer Einführung 1997 wurden die Ausbildungen mehrfach weiterentwickelt und 2020 grundlegend neu geordnet – mit aktualisierten Inhalten, Profilen und Bezeichnungen, die den technologischen Wandel direkt abbilden. Ein weiteres Beispiel ist der Ausbildungsberuf Kaufmann und Kauffrau im E-Commerce.
Was das für die Wahl des Ausbildungsberufs bedeutet
„Für uns als IHK gilt: Ein Beruf wird zukunftsfähig, wenn er zur Person passt. Gute Arbeitsmarktaussichten allein tragen nicht, wenn Arbeitszeiten, Belastungen oder Anforderungen dauerhaft überfordern“, sagt Jürgen Holtkamp. Und das finden auch die Fachleute bei der Agentur für Arbeit: Die eigenen Fähigkeiten und Interessen sollten sehr gut zu den Ausbildung- und Tätigkeitsinhalten passen. „Das wird künftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Der Arbeitsmarkt von morgen braucht Menschen, die inspiriert an der Gestaltung ihrer Aufgabe mitwirken.“
Aber auch die Überlegung, wie sich ein Beruf weiterentwickeln wird, sollten bereits bei der Berufswahl berücksichtigt werden, raten die Fachleute der Agentur für Arbeit. Berufseinsteiger können sich zum Beispiel über den Anteil der automatisierbaren Routinetätigkeiten beim Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung informieren: www.job-futuromat.iab.de. Generell aber gilt: Die Weiterentwicklung der Berufe und Tätigkeiten wird immer schneller vorangehen. Und das bedeutet: Egal, wie fundiert du deine Berufswahl triffst – die Bedeutung von lebenslangem Lernen und Weiterbildung nimmt weiterhin zu.
Theresa Demski


