Viel Geld oder lahmer Job: Berufsbilder landen schnell in der Klischee-Schublade. Zu Recht? Ein zweiter Blick lohnt sich.
Verstaubter Bürohengst, schlechtbezahlte Pflegekräfte, dreckiges Handwerk: Während die einen Berufsbilder wegen eines schlechten Images mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, boomen andere Ausbildungsberufe. Wir haben uns auf die Spuren der hartnäckigsten Mythen gemacht.
1. In der Pflege verdient man nicht viel Geld und macht sich kaputt.
In der Branche hat sich viel getan. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft gehört heute zu den am besten bezahlten Ausbildungen in Deutschland. Im ersten Ausbildungsjahr liegt das Durchschnittsgehalt bei 1300 Euro, im dritten Jahr schon bei 1500 Euro. Auch die Belastung für Rücken und Schultern ist deutlich zurückgegangen – vor allem dank moderner Hilfsmittel, die beim Heben helfen. Allerdings besteht trotzdem eine höhere körperliche Belastung als in anderen Jobs durch Arbeit im Stehen oder das Heben und Tragen schwerer Lasten – in der Altenpflege häufiger als in der Krankenpflege, so eine Erkenntnis der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.
2. Im öffentlichen Dienst erwartet mich nur Aktenarbeit.
Achtung vor pauschalen Urteilen: Im öffentlichen Dienst gibt es viele verschiedene Berufsbilder – bunt gemischt, für verschiedene Talente, in der Verwaltung, im Bildungswesen, in Sicherheitsberufen. „Das Bild und das Image des öffentlichen Dienstes stehen im Widerspruch zu seinen tatsächlichen Leistungen“, beklagt der Beamtenbund. Inzwischen seien Flexibilität, Bürgerorientierung und Leistungsbereitschaft eine Selbstverständlichkeit, heißt es dort. Nun machen Bürger in deutschen Verwaltungen unterschiedliche Erfahrungen mit Verwaltungsfachangestellten. Es bleibt also eine Frage, wie du selbst diesen Beruf ausfüllen willst. Wer sich für die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung entscheidet, muss sich am Schreibtisch und mit Regelwerken wohlfühlen. Ein Vorteil ist bekannt: Der öffentliche Dienst bietet einen sicheren Arbeitsplatz.
3. Die Arbeit im Handwerk ist dreckig und altmodisch.
Das Handwerk kämpft seit Jahren gegen sein Image. Natürlich macht man sich die Hände schmutzig. Aber wahr ist auch: Im Handwerk sind heute modernste Geräte und Maschinen im Einsatz – hochmoderne Technik verlegt die Planungsarbeit an den PC. Und neue Herausforderungen schaffen neue Felder im Handwerk. Laut einer IHK-Studie geben 80 Prozent der Handwerker an, glücklich mit ihrer Arbeit zu sein – in der Gesamtbevölkerung sagen das nur rund 55 Prozent der Befragten. Das habe auch damit zu tun, dass die Beschäftigten im Handwerk mit ihren Händen etwas erschaffen. „Das ist inspirierend, motivierend und macht stolz“, heißt es in der IHK-Studie.
4. Der IT-Bereich ist eine Männerdomäne.
Ganz falsch ist dieses Vorurteil nicht. Das Statistische Amt der EU hat gerechnet: Nur 19 Prozent der Beschäftigten in der Informatik sind Frauen. Der Trend zeigt aber: Immer mehr Frauen machen ihren Bachelor im Fach Informatik. Waren es 2010 noch 15 Prozent, lag zehn Jahre später der Frauenanteil schon bei 21 Prozent. Übrigens ist das Nerd-Klischee über IT‘ler nicht ganz fair: Natürlich gibt es in der Welt der Programmierer auch jene Momente, in denen volle Konzentration gefragt ist. Dann vertiefen sie sich in ihre Arbeit und ihre Welt. Und sicher sind hier typische Nerds besonders in ihrem Element. Aber die Branche weist darauf hin: „Grundsätzlich sind Informatiker Teamplayer.“ Wissen über Mathe trifft auf Analytik, Logik und Programmierwissen. Und: IT‘ler sind meistens auch sprachlich sicher. Denn für fast alle Programmiersprachen werden Englischkenntnisse gebraucht.
5. Kosmetikerinnen lackieren den ganzen Tag Nägel.
Wer im Kosmetiksalon arbeitet, wird häufig unterschätzt. Denn schon die Ausbildung zur Kosmetikerin ist vielschichtig: Viele medizinische und rechtliche Themen kommen hier zur Sprache. Und weil im Schönheitsbereich ständig etwas Neues hinzukommt, wachsen auch die Branche und ihre Leistungen. Wer in Umsatzzahlen schaut, der entdeckt: Seit 2022 wächst die Beauty-Industrie jedes Jahr durchschnittlich um sechs Prozent. Da bleibt es nicht beim Lackieren und Wimpern zupfen. Stattdessen lassen sich Kosmetikerinnen in den Bereichen Permanent-Make-up weiterbilden oder nehmen Laserbehandlungen in ihr Angebot auf. Auch das Thema Anti-Aging liegt im Trend. Allerdings müssen junge Leute damit leben: Die Vergütung in der Ausbildung ist relativ gering. Rentabel kann es erst später werden, wenn man sich entsprechend fortbildet und spezialisiert.
Theresa Demski


