Tolle Tage feiern, blöde Tage aushalten: Auch eine Ausbildung hat ihre Höhen und Tiefen. Zwei Expertinnen kennen das Rüstzeug, damit die Lust nicht verloren geht.
Drei von zehn Azubis brechen ihre Ausbildung ab: Das steht schwarz auf weiß im Ausbildungsreport 2025. „Das könnte ganz anders sein“, sagt Laura Paul. Sie hat gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Laura Steinkopf das Unternehmen „Grow together“ aufgebaut – um Auszubildende und Ausbilder zu rüsten. Die beiden Frauen erklären, welche Strategien helfen, um den ersten Schritt auf der Karriereleiter schon mal erfolgreich zu gehen.
Arbeitsatmosphäre und Kommunikation
Kein Faktor ist bei jungen Leuten stärker als eine gute Arbeitsatmosphäre. „Deswegen gehören zwischenmenschliche Faktoren auch zu den am meisten genannten Gründen für einen Abbruch der Ausbildung“, sagt Laura Paul. Ihr Appell geht deswegen vor allem an Ausbilder: Sie sollten sich mit den Bedürfnissen der Generation Z und der kommenden Generation Alpha auseinandersetzen, sagt die Beraterin. Die jungen Menschen seien anders aufgewachsen als die Generationen vor ihnen. „Und bloß keine Verurteilung“, betont sie.
Aber welchen Einfluss haben nun Azubis auf diesen Aspekt? „Junge Menschen dürfen und sollten es ansprechen, wenn sie zum Beispiel Probleme mit dem Umgangston haben“, sagt Laura Steinkopf. Nur, wenn ein Ausbilder von dem Problem weiß, kann er reagieren. „Diese Chance muss man den Ausbildern geben“, sagt Laura Paul. „Ändert sich nichts, können Azubis immer noch eine Entscheidung treffen.“ Sie betont: Auch als Auszubildender habe man ein Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden.
Miteinander zu reden, hilft: Das gilt für viele Situationen in der Ausbildung. „Und wir sehen: Das läuft nicht immer gut“, weiß Laura Paul aus ihrem Arbeitsalltag. Deswegen schult sie Auszubildende für Gespräche mit Ausbildern. Natürlich erfordere es Mut, als Azubi das Gespräch zu suchen – zum Beispiel, wenn man nicht ausgelastet sei im Arbeitsalltag und sich mehr Gestaltungsspielraum wünsche. „Auf so ein Gespräch kann man sich vorbereiten“, sagt Paul – alleine oder mit Unterstützung von Eltern, Freunden oder einem Coach. Dann gilt: Nicht den Moment zwischen Tür und Angel wählen, sondern um einen Gesprächstermin bitten. Und Fakten statt Vorwürfe auf den Tisch legen.
Erwartungen und Enttäuschungen
Nicht jeder Arbeitstag wird Spaß machen: Das müssten Auszubildende wissen, sagt Laura Paul. Und es wird ihnen auch nicht in jeder Abteilung gefallen. Deswegen empfiehlt die Fachfrau: „Durchhalten!“ Eine schlechte Woche mache noch keine schlechte Ausbildung. Wenn es mal nicht gut läuft, helfe der Blick auf das große Ganze. „Dann ist es gut, sich daran zu erinnern: Wofür mache ich das hier? Wo will ich hin? Und wie sieht das Ziel aus?“ Der Blick auf die Perspektive helfe, jene Tage zu überstehen, an denen es nicht gut läuft. Aber auch hier verweist die Expertin auf Erwartungen, die Azubis an ihren Ausbildungsbetrieb haben dürfen: „Man darf erwarten, dass man etwas lernt. Und man darf erwarten, dass man menschlich behandelt wird.“
Genauso gehört dazu, dass mal etwas schiefgeht. Ein Werkstück misslingt. Man hat ein falsches Formular gewählt. Der Computer scheint seinen eigenen Willen zu haben. Und der nächste Arbeitsschritt scheint keinen Sinn zu ergeben. „Du darfst Fehler machen“, betont Laura Paul. Sie weiß allerdings auch: Die Fehlerkultur in Unternehmen fällt ganz unterschiedlich aus. Wie der richtige Umgang mit Fehlern und Enttäuschungen aussieht? „Ganz bewusst auf etwas Positives konzentrieren“, rät sie. „Oft fühlen sich die Dinge in dem Moment viel größer und wichtiger an, als sie sind.“ Wer das Gefühl habe, ihm gelinge gar nichts mehr, solle sich daran erinnern, was schon richtig gut gelaufen sei.
Wer allerdings jeden Morgen mit Bauchschmerzen zum Ausbildungsbetrieb geht oder sich unglücklich in den Schlaf weint, der sollte sich mit den Ursachen beschäftigen und ihnen auf den Grund gehen. „Es hilft, wenn man herausfindet, woher diese Angst kommt“, sagt Laura Paul. Dann könne man ihr begegnen. Die Ausbildung sei ohnehin ein guter Moment, um sich mit sich selbst auseinanderzusetzen: Wer bin ich? Was kann ich? Was mache ich gerne? Was ist mir wichtig? Welche Werte zählen für mich? „Gehe achtsam mit dir um“, sagt Laura Paul häufig zu den Auszubildenden, die sie berät. Wer dann die Antworten auf diese Fragen findet, kann sich gut für seinen weiteren Weg motivieren.
Theresa Demski


