Neue Routinen, neue Verantwortung, neue Perspektiven: Was auf junge Menschen in der Ausbildung zukommt.
Der Start in die Ausbildung fühlt sich an wie ein Sprung ins Unbekannte. Neue Gesichter, neue Abläufe, neue Verantwortung. Am ersten Tag im Betrieb zeigt der Ausbilder oder die Ausbilderin, wo Werkzeuge liegen, wie Programme funktionieren oder welche Sicherheitsregeln gelten. Einige Tage später beginnt die Berufsschule, in der theoretische Grundlagen vermittelt werden. Nach und nach entsteht ein Alltag, der Struktur gibt und in dem Auszubildende immer mehr Sicherheit gewinnen.
Es beginnt ein neuer Rhythmus. Morgens geht es in die Werkstatt, ins Büro, auf Station oder in die Produktion – je nach Branche. Vieles läuft schneller, strukturierter und zielgerichteter ab, als es aus der Schulzeit bekannt ist. Arbeitsabläufe wiederholen sich, Kollegen zeigen Handgriffe, erklären Programme oder begleiten erste Aufgaben. Mit jedem Tag wird klarer, wie der eigene Platz im Team aussieht. „Gerade zu Beginn der Ausbildung spielt der persönliche Eindruck eine große Rolle“, sagt Ann-Kathrin Lauf, Abteilungsleiterin bei der Handwerkskammer Düsseldorf im Bereich Ausbildungsberatung und -förderung. „Wer aufmerksam zuhört, Arbeitsanweisungen sorgfältig umsetzt und Interesse zeigt, wird im Betrieb schnell positiv wahrgenommen.“ Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind selbstverständlich. Ebenso wichtig ist es, Fragen zu stellen, wenn etwas unklar ist. „Niemand erwartet von Auszubildenden, von Anfang an alles zu können oder zu wissen“, erklärt die Expertin. „Nachfragen hingegen zeigt Lernbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein.“
Mit der Zeit kommt die Sicherheit
Die praktische Ausbildung im Betrieb wird mit dem Unterricht in der Berufsschule kombiniert. Dort treffen Auszubildende auf andere junge Leute, die denselben Beruf erlernen, und sie merken schnell, dass Theorie und Praxis sich gegenseitig ergänzen. Manche Inhalte helfen, Abläufe im Betrieb besser zu verstehen, andere bereiten auf spätere Prüfungen vor. Zwischen beiden Lernorten entsteht ein Alltag, der zwar fordernd sein kann, aber auch Struktur und Orientierung gibt. „In vielen Handwerksberufen kommen zusätzlich überbetriebliche Lehrgänge hinzu, die von Innungen durchgeführt werden und wichtige Grundlagen vermitteln“, erläutert Ann-Kathrin Lauf. Mit der Zeit wächst im Betrieb die Verantwortung. Anfangs stehen Beobachten und Mitmachen im Vordergrund, später übernehmen Auszubildende eigene Aufgaben, kleinere Projekte oder Kundensituationen. Viele berichten, dass sie nach einigen Wochen deutlich sicherer auftreten, weil Routinen entstehen und das Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen spürbar wächst.
Mit dem Einstieg in die Ausbildung beginnt jedoch nicht nur ein neuer Lebensabschnitt, sondern auch ein geregeltes Ausbildungsverhältnis mit klaren Rahmenbedingungen. Diese sollen sicherstellen, dass die jungen Menschen gut begleitet werden und die notwendigen Kenntnisse erwerben können. „Auszubildende haben Anspruch auf eine ordnungsgemäße Ausbildung“, erklärt Ann-Kathrin Lauf. „Diese wird durch einen schriftlichen Ausbildungsvertrag geregelt, in dem unter anderem Ausbildungsdauer, Inhalte, Arbeitszeit, Urlaub und eine mit den Ausbildungsjahren steigende Vergütung festgelegt sind.“ Für den Besuch der Berufsschule und für Prüfungen müssen Auszubildende vom Betrieb freigestellt werden. Auch die für die Ausbildung notwendigen Arbeits- und Ausbildungsmittel stellt der Betrieb zur Verfügung.
Berichtsheft führen
Neben diesen Rechten gibt es klare Pflichten. Auszubildende müssen die ihnen übertragenen Aufgaben sorgfältig ausführen und sich aktiv darum bemühen, die beruflichen Fähigkeiten und Kenntnisse zu erlernen. Dazu gehören der regelmäßige Besuch der Berufsschule, die Teilnahme an Prüfungen sowie die Beachtung der Anweisungen der Ausbilder und der betrieblichen Regeln. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist das sogenannte Berichtsheft. Darin müssen die Tätigkeiten während der Ausbildung dokumentiert und der Ausbilderin beziehungsweise dem Ausbilder vorgelegt werden. Das Berichtsheft dient nicht nur der Kontrolle, sondern auch der eigenen Reflexion und ist Voraussetzung für die Abschlussprüfung.
Brigitte Bonder


