Ob für einen Karrieresprung oder die berufliche Neuorientierung – in der heutigen Arbeitswelt spielt die kontinuierliche Weiterbildung eine wichtige Rolle. Die Bildungsprämie unterstützt insbesondere Geringverdiener.

Wer sich unabhängig vom Arbeitgeber individuell fortbilden möchte, muss nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld investieren. Um insbesondere Erwerbstätige mit geringem Einkommen beim lebenslangen Lernen zu unterstützen, führte die Bundesregierung mit der Bildungsprämie im Dezember 2008 ein neues Finanzierungsmodell ein. Die Düsseldorferin Stephany Kahl hat die Unterstützung bereits mehrfach in Anspruch genommen und so ihre beruflichen Träume verwirklicht. „Ich wollte schon immer Schauspielerin werden“, blickt die heute 45-Jährige zurück. „Da meine Eltern sehr bodenständig waren, absolvierte ich eine Ausbildung zur Krankenschwester und verbrachte einige Jahre im Ausland.“ Stephany Kahl arbeitete in Schweden, Asien und Ibiza und kam dann nach Deutschland zurück, um ihren Traum zu leben. Nach dem Abschluss an der Schauspielschule in Köln nahm sie das erste Mal die Bildungsprämie in Anspruch. „Ein Freund hatte die Prämie im Bereich Fitness genutzt und mir davon erzählt“, berichtet Kahl. „Mit der finanziellen Unterstützung habe ich einen Kurs in Camera Acting belegen können, um mein Auftreten vor der Kamera zu verbessern.“ So erhielt sie ihr erstes Demoband für anstehende Bewerbungen.Heute ist Stephany Kahl eine etablierte Schauspielerin und unterrichtet Schauspiel in Düsseldorf. Mit der nächsten Prämie bildete sie sich zur Moderatorin weiter und baute sich ein zweites Standbein auf. „Die Bildungsprämie hat mir dabei geholfen, mir Fachwissen anzueignen und bereits vorhandenes Wissen zu fundieren“, betont Kahl. Für die Schauspielerin haben Lernen und Weiterbildung eine große Bedeutung. „Wissen ist das Wichtigste, in das man investieren kann“, findet Stephany Kahl.

„Die Bildungsprämie ist ein Geschenk, das man unbedingt nutzen sollte. Deshalb kann ich jedem, der darüber nachdenkt, sich beruflich weiterzuentwickeln, nur raten, in die eigene Bildung zu investieren.“ Der Zugang zur Bildungsprämie ist einfach. „Ich habe einen Termin bei einer Beratungsstelle vereinbart und musste im Gespräch verschiedene Fragen zur geplanten Weiterbildung beantworten“, erklärt Kahl. „Dann bekam ich einen Bildungsgutschein, den ich beim Kursanbieter abgegeben habe.“ Die Schauspielerin ist nur eine von vielen Beispielen für die erfolgreiche Nutzung der Förderung. Seit der Einführung haben rund eine Viertel Million Erwerbstätige die Bildungsprämie in Anspruch genommen, die meisten kommen aus den Bereichen Gesundheit und Erziehung.

Mit der Bildungsprämie erhalten Erwerbstätige mit niedrigem Einkommen einmal im Jahr bis zu maximal 500 Euro für ihre individuelle, berufsbezogene Weiterbildung. „Berufsbezogen bedeutet, dass die ausgewählte Weiterbildung für den beruflichen Kontext wichtig sein muss, für die aktuelle oder eine geplante neue Tätigkeit“, erläutert Mechthild Teupen, Geschäftsführerin Weiterbildung der IHK Düsseldorf. „Individuell heißt, dass es um die persönlichen Bildungsinteressen geht, unabhängig vom Arbeitgeber.“ Für die Unterstützung stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: der Prämiengutschein und der Spargutschein. Mit dem Prämiengutschein zahlen Erwerbstätige nur 50 Prozent der Weiterbildungsgebühren, den anderen Teil bis zur Höchstgrenze übernimmt der Staat. Mit dem Spargutschein kann ein Ansparguthaben nach dem Vermögensbildungsgesetz genutzt werden, um insbesondere eine teurere und längerfristige Weiterbildung zu finanzieren. Die beiden Gutscheine können miteinander kombiniert werden.

Bei einem Online-Check können Interessierte unkompliziert prüfen, ob sie einen Gutschein erhalten könnten. So muss der Antragsteller mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig sein oder sich als Erwerbstätiger in Eltern- oder Pflegezeit befinden. Darüber hinaus darf das zu versteuernde Einkommen im Jahr höchstens 20.000 Euro oder bei gemeinsam Veranlagten 40.000 Euro betragen. Berufstätige mit höherem Gehalt sollten beachten, dass das zu versteuernde Einkommen individuell vom Finanzamt berechnet wird und je nach Lebensumstand deutlich unter dem Bruttojahreseinkommen liegen kann. Den genauen Wert finden Interessierte im aktuellen Steuerbescheid. Im nächsten Schritt werden bei einem Gespräch in einer der rund 530 Beratungsstellen in Deutschland die Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten geklärt und die passende Weiterbildung herausgesucht. Wer sich für einen konkreten Kurs interessiert, sollte jedoch auf jeden Fall im Vorfeld klären, ob das gewählte Institut die Prämiengutscheine auch anerkennt. Sollte das zu versteuernde Einkommen über den Grenzen liegen, beraten in NRW die gleichen Beratungsstellen auch zum NRW-Bildungsscheck, der andere Einkommensgrenzen kennt. Wenn es um Weiterbildungsförderung geht, lohnt sich der Kontakt zu einer Beratungsstelle somit in jedem Fall.

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